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Edward Karl Klinik ...
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... wurde im damals noch selbständigen Werne
bei Bochum am Montag, 21. Juli 1919, geboren und am
folgenden Sonntag, 27. Juli, durch Kaplan Anton Gerken in der Herz-Jesu
Pfarrkirche getauft. Er war das zweite von drei Kindern des Schmieds Adalbert
Klinik und seiner Frau Anastasia geborene Schneider. Auch die Taufe der älteren
Schwester Maria am 25.3.1917 erfolgte am Werner Taufbrunnen.

Familie Klinik wohnte am heutigen Rixenburgweg - der
damaligen Lothringer Straße, die über
eine Brücke bis zum Werner Hellweg führte und etwa auf der Höhe des heutigen
Staudengartens einmündete. In den Adressbüchern von 1903 bis 1928 taucht der
Familienname „Klinik“ nicht auf. Das lässt darauf schließen, dass sich die
Familie nur relativ kurz in Werne aufgehalten hat; maximal zwischen 1911 und
1922.
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Sehr
bald müssen die Kliniks in das seit 1919 polnische Posen, Zielonastraße 1, gezogen
sein. Als Jugendlicher besuchte Edward regelmäßig den offenen
Jugendtreff des Ordens der Salesianer Don Boscos in der Wronieckastraße 9. Nach
Abschluss eines Salesianischen Gymnasiums in Auschwitz machte er das Abitur im
Schuljahr 1938/39 am Berger Gymnasium in Posen. Neben der Familie war eine
Gruppe junger Männer im Jugendtreff sein Lebensmittelpunkt geworden. Man kannte
sie als die Fünf“ oder die "Jungs von der Wroniecka-Straße".
Edward arbeitete jetzt in einem Konstruktionsbetrieb in Posen.
Am 1. September 1939 überfielen die deutschen Armeen
Polen; im Oktober wurden die 1919 an Polen gefallenen ehemals zum Deutschen
Reich gehörenden Gebiete in das nationalsozialistische Deutschland
eingegliedert. Posen war wieder deutsch. Die neuen Machthaber beschlagnahmten
die Niederlassung der Salesianer und führten die Gebäude militärischen
Zwecken zu. Nur zwei Zimmer standen noch zur Verfügung; hier traf sich
weiterhin die Gruppe der Fünf. Als die politischen Verhältnisse auch dies
nicht mehr zuließen, verlegten sie ihre Zusammenkünfte in die Parks der Stadt,
in die Wiesen an der Warthe oder in die umliegenden Wälder. Sie wurden
Mitglieder der geheimen Organisation „Freiwilliges Militär der
Westgebiete“.
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Als erster der „Fünf“ wurde Edward Klinik am 21.
September 1940 unter dem Vorwurf, einen Staatsstreich vorbereitet zu haben,
verhaftet. Gefoltert und misshandelt von der Gestapo, war er zunächst im Fort
VII - genannt „Hölle“ - dann in der Młyńskastraße inhaftiert. Ab
dem 16. November 1940 war er als Gefangener in Wronki in einer Einzelzelle mit
der Aufschrift „Hochverrat“ untergebracht. Es plagten ihn – wie alle
Gefangenen – Hunger, Kälte und Arbeitsbelastung. Seine Freunde sah er nur während
der so genannten „freien Stunde“ auf dem Gefängnishof. Er fühlte sich wie
eine „einsame Kiefer“. Am Morgen des 23. April 1941 verlegte man die
Gefangenen mit einer Eskorte in ein Gefängnis in Berlin–Neukölln. Edward kam
in Zelle 113 in die Nähe der Zellen zweier seiner Freunde. Das
nationalsozialistische Gericht klagte sie an wegen Untergrundarbeit gegen die
Machthaber.
Im Mai 1942 wurden die „Fünf“ nach Zwickau verlegt, wo
sie den Benediktinerpater Henryk Kubik aus Posen trafen. Sie empfingen von ihm
das Bußsakrament. Zwei Monate später wurden sie zum Tode verurteilt. Auf die
Vollstreckung des Urteils warteten sie gemeinsam in einer Zelle des Dresdener
Gefängnisses am Münchener Platz. Die Gefangenen wurden am Morgen des 24.
August 1942 einzeln vor den Staatsanwalt geführt. Beim Eintritt in das Zimmer
nannte der Aufsichtsbeamte den Namen des Gefangenen. Der Staatsanwalt wandte
sich dann an den Gefangenen:
„Sie sind durch Urteil des Volksgerichtshofes zum Tode
verurteilt. Der Herr Reichsjustizminister hat im Einvernehmen mit dem Herrn
Reichsprotektor für Böhmen und Mähren von seinem Begnadigungsrecht keinen
Gebrauch gemacht. Das Urteil wird heute Abend vollstreckt. Haben Sie noch einen
Wunsch? Das heißt, wollen Sie schreiben oder den Geistlichen sprechen?“
Die meisten wünschten, den Geistlichen zu sprechen, zu
schreiben und zu rauchen, was auch immer erlaubt wurde. Katholischer Gefängnisseelsorger
war der Oblatenpater Franz Bänsch. Er erinnerte sich später, die Haltung der
Leute sei im Allgemeinen sehr gut und gefasst gewesen.
In der Todeszelle, wo meistens sieben bis neun zusammen
waren, hatte man Gelegenheit zum Schreiben. Obwohl zu diesem Zwecke die Fesseln
von den Händen gelöst wurden, war es doch ein sehr mühsames Schreiben, da es
keinen Tisch in der Zelle gab. Man schrieb an die Wand gelehnt oder auf dem
Boden liegend. Und doch wollte man seinen Lieben seine letzten Gedanken, den
Ausdruck seiner ewigen Liebe übermitteln.
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Die Briefe der „Fünf“ bestätigen, dass sie treu zu
ihrem Glauben standen und aus diesem Grund in den Tod gegangen sind. Edward
Klinik schreibt in seinem Abschiedsbrief:
„Allerliebste Eltern, Mutti, Vati, Marysia, Henkol ...
Wunderlich sind die Gottesurteile, aber wir müssen uns ihnen fügen, weil alles
zum Guten unserer Seele ist ... Bis zum letzten Moment war Maria für mich
Mutter. Jetzt, wo Du, Mutti, mich nicht mehr haben wirst, nimm Jesus ... Meine
Lieben, verzweifelt nicht über mich und weint nicht, denn ich bin schon mit
Jesus und Maria zusammen.“
Gegen 12 Uhr kamen die Zellenwärter mit dem Essen. Es war
gering wie immer. Ein guter Wachtmeister ließ wohl zuweilen noch etwas Brot
bringen. Hier war für den Geistlichen die letzte Gelegenheit, den Gefangenen
noch eine kleine Zukost zu geben, soweit er dazu in der Lage war. Jedenfalls hat
er immer für Zigaretten gesorgt. Soweit die Leute noch einmal das Bußsakrament
empfangen wollten, hatten sie dazu nach dem Briefschreiben Gelegenheit. Am
Nachmittag fand dann eine gemeinsame Kommunionfeier in der Todeszelle statt. Um
einen kleinen Tisch geschart, der zu diesem Zweck in die Zelle gestellt wurde,
standen die Männer um den Priester, der ihnen den Leib des Herrn reichte.
Zuerst betete ein Vorbeter die Vorbereitungsgebete in der Muttersprache vor.
Dann beteten alle zusammen das Glaubensbekenntnis und das Vater unser. Wie ganz
anders klingen da – erinnert sich Pater Bänsch - kurz vor dem Sterben die
Worte: "Dein Wille geschehe"!
Am Abend des 24. August wurden Edward und seine vier
Freunde zusammen mit drei weiteren Männern in den Hof des Gefängnisses geführt
und durch das Fallbeil hingerichtet. Edward Klinik wurde mit seinen Gefährten
in einem Massengrab beerdigt, das erst 1999 wieder aufgefunden wurde. Der Ort
der Hinrichtung in Dresden wurde nach dem Krieg zu einer Gedenkstätte des
antifaschistischen Widerstandes. Die politischen Verhältnisse der
Nachkriegszeit und die neuen Machthaber in der DDR verschütteten dabei die
Erinnerung an die christlichen Märtyrer.
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Am Sonntag, dem 13. Juni 1999, als in Edward Kliniks
Geburtsort Werne wie in jedem Jahr das Herz-Jesu-Fest gefeiert wurde, sprach in
Warschau Papst Johannes Paul II. 108 Märtyrer des dritten Reiches selig,
darunter „Die Fünf“. Die Seligsprechung hat das Zeugnis ihres Glaubens für
die Kirche unverlierbar in Erinnerung gebracht. Der damalige Generalobere der
Salesianer Don Boscos erklärte 1999 in einem Rundschreiben an die
Ordensmitglieder, das er zum Anlass der Seligsprechung verfasste:
„Die fünf Jugendlichen kamen aus christlichen Familien.
Auf diesem Fundament haben dann das Leben und das Programm des Oratoriums ihre
Großherzigkeit gegenüber dem Herrgott, ihre menschliche Reife, ihr Gebet und
ihren apostolischen Einsatz gefördert. Die Gruppe als Ort des Heranreifens und
des Engagements war für sie bestimmend. Sie werden immer als die Gruppe der Fünf
bezeichnet. Es ist bewegend, von jedem Einzelnen zu lesen: ‚Er gehörte zur Führungsgruppe
des Oratoriums, eng verbunden durch die Bande der Freundschaft und das Streben
nach christlichen Idealen gemeinsam mit den übrigen vier.’“
Edwards ältere Schwester, die Ursulinen-Schwester Maria,
bezeugt:
„Als Edward ins Oratorium ging, vertiefte sich sein
religiöses Leben sehr. Er begann an der Messe teilzunehmen. Er war recht heiter
aber auch furchtsam. Lebhafter wurde er vom Moment des Eintritts ins Oratorium
an. Er war ein systematischer und verantwortungsbewusster Student. Er tut sich
hervor durch Förderung des Engagements auf allen Aktivitätsfeldern des
Oratoriums, Verehrung der Eucharistie, marianische Frömmigkeit und Begeisterung
für die Ideale Don Boscos.“
Das Bistum Essen und unsere Herz-Jesu-Gemeinde haben
„durch die Familiengeschichte des seligen Edward Klinik teil an seinem
Glaubenszeugnis“, so formuliert es der Salesianer Johannes Wielgoß.
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Internetseiten
zu Edward Klinik:
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Die Seligen Märtyrer vom Münchner Platz
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Edward Klinik
* 21.7.1919 in Werne bei Bochum
† 24.8.1942 in Dresden (23J)
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Gedenktag: 24.8.

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Czeslaw Jozwiak
* 7.9.1919 in Lazyn b/Bydgoszcz
† 24.8.1942 in Dresden (22J)
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Edward Kazmiersky
* 1.10.1919 in Poznan (Posen)
† 24.8.1942 in Dresden (22J)
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Franciszek Kesy
* 13.11.1920 in Berlin
† 24.8.1942 in Dresden (21J)
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Jarogniew
Wojciechowski
* 5.11.1922 in Poznan (Posen)
† 24.8.1942 in Dresden (19J)
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Die
Opfer der NS-Justiz am Münchner Platz
Bis zum 8. Februar 1945 - dem letzten Hinrichtungstag vor
der teilweisen Zerstörung des Gebäudekomplexes durch die Luftangriffe am
13./14. Februar 1945 - starben über 1 300 Menschen unter der so genannten
Fallschwertmaschine. Mit der kriegs- und besatzungsbedingten drakonischen
Ausweitung der Straftatbestände nahm die Zahl der Hinrichtungen am Münchner
Platz insbesondere ab 1942 sprunghaft zu. Zu den Justizopfern des
Volksgerichtshofs und der Oberlandesgerichte gehörten Menschen, die sich dem
Nationalsozialismus aktiv und organisiert widersetzten. Darunter waren Angehörige
tschechischer und polnischer Widerstandsgruppen, die wegen
„Gebietshochverrats“ verurteilt wurden. Hinzu kamen Angehörige aus den
Reihen der deutschen Arbeiterbewegung oder politisch motivierte Einzeltäter,
denen „Verfassungshochverrat“ oder „Wehrkraftzersetzung“ zur Last gelegt
wurde.
Zu den bedeutendsten Widerstandsgruppen Sachsens gehörte das Leipziger
„Nationalkomitee Freies Deutschland“, dessen führende Vertreter, darunter
der ehemalige kommunistische Reichstagsabgeordnete Georg Schumann (1886-1945),
am Münchner Platz verurteilt und hingerichtet wurden.
Am Münchner Platz starben auch Menschen, die sich den
Denk- und Handlungsgeboten des Regimes verweigerten oder zu entziehen suchten,
beispielsweise durch „Fahnenflucht“, durch das Abhören von
„Feindsendern“. Schließlich wurden so genannte „Gewohnheitsverbrecher“,
Mörder und Sittlichkeitsverbrecher am Münchner Platz hingerichtet. Etwa zwei
Drittel der Hingerichteten stammten aus dem „Protektorat Böhmen und Mähren“.
Selig die Barmherzigen ...
... denn sie werden Erbarmen finden“
Johannes Paul II: Predigt in Warschau am 13. Juni 1999
Liebe Brüder und Schwestern!
Mit den Worten dieser Seligpreisung Christi mache ich auf meinem Pilgerweg Halt
bei euch, gläubiges Volk von Warschau. Herzlich grüße ich alle, die hier
versammelt sind: die Priester, die Ordensmänner und Ordensfrauen, die Laiengläubigen.
Mein brüderlicher Gruß gilt den Bischöfen, besonders dem Kardinalprimas und
seinen Mitarbeitern, den Weihbischöfen der Erzdiözese Warschau. Ich grüße
den Herrn Präsidenten der Republik, den Herrn Ministerpräsidenten, die Frau Präsidentin
des Senats und den Herrn Präsidenten des Sejm, die Vertreter der staatlichen
und lokalen Behörden sowie die geladenen Gäste.
Der göttlichen Vorsehung danke ich, dass es mir erneut
gegeben ist, mich hier aufzuhalten, wo wir vor zwanzig Jahren bei der denkwürdigen
Pfingstvigil in besonderer Weise das Geheimnis des Abendmahlssaals erlebt haben.
Gemeinsam mit dem Primas des Millenniums,
Stefan Kardinal Wyszynski, mit den Bischöfen und dem in großer Zahl anwesenden
Volk Gottes der Hauptstadt haben wir inständig um das Geschenk des Heiligen
Geistes gebetet. In jenen schwierigen Zeiten riefen wir seine Kraft an, die sich
in die Herzen der Menschen ergießen und Hoffnung in ihnen wecken kann. Es war
ein Schrei, der dem Glauben entsprang, dass Gott wirkt und mit der Kraft des
Heiligen Geistes alles erneuert und heiligt. Es war eine flehentliche Bitte um
Erneuerung des Angesichts der Erde, der Erde hier an diesem Ort. Möge Dein
Geist herabkommen und das Angesicht der Erde, dieser Erde, erneuern! Wie sollten
wir nicht heute dem dreieinigen Gott danken für alles, was uns im Zeitraum
dieser letzten zwanzig Jahre wie seine Antwort auf jenen Schrei erscheint! Ist
nicht Antwort Gottes alles, was in dieser Zeit in Europa und der Welt geschehen
ist, angefangen bei unserer Heimat? Vor unseren Augen ist es zur Änderung der
politischen, der Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme gekommen, wodurch die
Einzelpersonen und die Nationen den Glanz ihrer Würde neu gesehen haben. Die
Wahrheit und die Gerechtigkeit gewinnen ihren Wert zurück und werden zur
dringlichen Herausforderung für alle, die das Geschenk der Freiheit zu schätzen
wissen. Dafür danken wir Gott, wenn wir mit Zuversicht in die Zukunft blicken.
Vor allem erweisen wir ihm Ehre für das, was diese zwanzig
Jahre im Leben der Kirche gebracht haben. Im Danksagen vereinen wir uns daher
mit den Kirchen westlicher und östlicher Tradition unter den uns nahen Völkern,
den aus den Katakomben hervorgekommenen Kirchen, die öffentlich ihre Sendung
erfüllen. Ihre Lebendigkeit ist ein großartiges Zeugnis der Macht der Gnade
Christi. Sie bewirkt, dass schwache Menschen zu einem Heroismus befähigt
werden, der nicht selten bis zum Martyrium reicht. Ist das nicht Frucht des
Wirkens des Geistes Gottes? Haben wir nicht durch dieses Wehen des Geistes in
der jüngsten Geschichte heute die unwiederholbare Gelegenheit, die Universalität
der Kirche und unsere Verantwortung für das Zeugnis Christi und die Verkündigung
seines Evangeliums „bis an die äußersten Grenzen der Erde“ zu erfahren?
Im Licht des Heiligen Geistes deutet die Kirche in Polen
die Zeichen der Zeit neu und übernimmt ihre Aufgaben, frei von äußeren
Einschränkungen und Druck, wie sie diese noch bis vor kurzem erfuhr. Wie sollte
man Gott heute nicht danken, dass die Kirche im Geist der Liebe und der
gegenseitigen Achtung einen kreativen Dialog mit der Welt der Kultur und der
Wissenschaft führen kann! Wie sollte man nicht Dank sagen für die Tatsache,
dass die Gläubigen ohne Behinderungen die Sakramente empfangen und das Wort
Gottes hören können, um dann öffentlich ihren Glauben zu bezeugen! Wie sollte
man Gott nicht Ehre erweisen für die große Zahl von Kirchen, die in letzter
Zeit in unserem Land gebaut wurden! Wie sollte man nicht Dank sagen, dass die
Kinder und Jugendlichen Christus in der Schule in Frieden kennen lernen können,
wo die Präsenz des Priesters, der Ordensschwester oder des Katecheten als eine
wertvolle Hilfe bei der Erziehung der jungen Generation gesehen wird! Wie sollte
man Gott nicht lobpreisen, weil er mit seinem Geist die Gemeinden und die
kirchlichen Vereine und Bewegungen belebt und bewirkt, dass die Aufgabe der
Evangelisierung von immer breiteren Kreisen von Laien übernommen wird!
Als ich bei meiner ersten Pilgerreise in die Heimat an
diesem Ort weilte, kam mir beharrlich das Gebet des Psalmisten in den Sinn:
„Denk an mich, Herr, aus Liebe zu deinem Volk, such mich auf und bring mir
Hilfe! Lass mich das Glück deiner Erwählten schauen, an der Freude deines
Volkes mich freuen, damit ich gemeinsam mit deinem Erbe mich rühmen kann“.
Wenn wir heute den Blick auf diese letzten zwanzig Jahre
unseres Jahrhunderts richten, kommt mir die Aufforderung desselben Psalms in den
Sinn:
„Danket dem Herrn; denn er ist gütig, denn seine Huld währt ewig. Wer kann
die großen Taten des Herrn erzählen, all seinen Ruhm verkünden? Gepriesen sei
der Herr […] vom Anfang bis ans Ende der Zeiten“.
„Selig die Barmherzigen; denn sie werden Erbarmen
finden“.
Die Liturgie des heutigen Sonntags verleiht unserem Danksagen einen besonderen
Charakter. Sie erlaubt es nämlich, alles, was in der Geschichte dieser
Generation geschieht, in der Perspektive des ewigen Erbarmens Gottes zu sehen,
welches sich in vollkommenster Weise im Heilswirken Christi offenbart hat. Jesus
wurde „wegen unserer Verfehlungen […] hingegeben, wegen unserer
Gerechtmachung wurde er auferweckt“.
Das Pascha-Mysterium des Todes und der Auferstehung des Gottessohnes hat der
Menschheitsgeschichte einen neuen Verlauf gegeben. Wenn wir in ihr die
schmerzlichen Zeichen der Tätigkeit des Bösen beobachten, haben wir die
Gewissheit, dass es das Schicksal der Welt und des Menschen letztlich nicht
beherrschen kann, es kann nicht siegen. Diese Gewissheit entspringt dem Glauben
an das Erbarmen des Vaters, der „die Welt so sehr geliebt [hat], dass er
seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde
geht, sondern das ewige Leben hat“.
Während der heilige Paulus uns den Glauben Abrahams vorhält, der „nicht im
Unglauben an der Verheißung Gottes [zweifelte], sondern [stark wurde] im
Glauben“,
ist es uns daher heute gegeben, die Quelle dieser Kraft zu entdecken, aufgrund
derer selbst die härtesten Prüfungen nicht in der Lage waren, uns von der
Liebe Gottes abzuwenden.
Durch den Glauben an die göttliche Barmherzigkeit hat die
Hoffnung in uns überdauert. Sie betraf nicht nur die gesellschaftliche
Erneuerung und die Wiedererstattung der Menschenwürde in den Dimensionen dieser
Welt. Unsere Hoffnung geht sehr viel tiefer: Sie ist in der Tat auf die göttlichen
Verheißungen gerichtet, welche die Zeitlichkeit bei weitem übersteigen. Ihr
endgültiges Ziel ist die Teilhabe an den Früchten des Heilswerkes Christi. Sie
kann uns als Gerechtigkeit angerechnet werden, wenn „wir an den glauben, der
Jesus, unseren Herrn, von den Toten auferweckt hat“.
Einzig die Hoffnung, die dem Glauben an die Auferstehung entspringt, kann uns
dazu veranlassen, im täglichen Leben eine würdige Antwort auf die grenzenlose
Liebe Gottes zu geben. Nur mit einer solchen Hoffnung können wir zu denen
gehen, welche „die Kranken“
sind, und Apostel der heilenden Liebe Gottes sein. Wenn ich vor zwanzig Jahren
sagte, dass „Polen in unserer Zeit das Land eines besonders
verantwortungsvollen Zeugnisses wurde“,
so ist dem heute hinzuzufügen, dass es ein Zeugnis tatkräftiger
Barmherzigkeit, begründet auf dem Glauben an die Auferstehung, sein muss.
Allein ein Zeugnis dieser Art ist Zeichen der Hoffnung für den Menschen von
heute, zumal für die junge Generation; und wenn es für einige auch ein
„Zeichen des Widerspruchs“ ist, so möge dieser Widerspruch uns niemals von
der Treue zum gekreuzigten und auferstandenen Christus abbringen.
„Omnipotens
aeterne deus, qui per glorificationem sanctorum novissima dilectionis tuae nobis
argumenta largiris, concede propitius, ut, ad unigenitum tuum fideliter
imitandum, et ipsorum intercessione commendemur, et incitemur exemplo“. So
betet die Kirche, wenn sie bei der Eucharistiefeier heiliger Männer und
heiliger Frauen gedenkt: „Allmächtiger, ewiger Gott, du offenbarst deine
Herrlichkeit in den Heiligen und gibst uns in ihnen immer neue Zeichen deiner
Liebe. Gib, dass ihr Beispiel und ihre Fürsprache uns helfen, deinem Sohn in
Treue nachzufolgen“.
Das ist heute auch unsere Bitte, da wir bewundernd auf das
Zeugnis blicken, das wir von den soeben zur Ehre der Altäre erhobenen Seligen
empfangen. Lebendiger Glaube, unerschütterliche Hoffnung und großherzige Liebe
wurden ihnen als Gerechtigkeit angerechnet, weil sie tief im Pascha-Mysterium
Christi verwurzelt waren. Zu Recht bitten wir also darum, Christus nach ihrem
Beispiel in Treue nachzufolgen.
Die selige Regina Protmann, Gründerin der Kongregation der
Schwestern von der heiligen Jungfrau und Märtyrerin Katharina, die aus Braniewo
/ Braunsberg stammte, widmete sich mit ganzem Herzen dem Werk der Erneuerung der
Kirche an der Wende vom 16. zum 17. Jahrhundert. Ihr Wirken, das der Liebe zu
Christus über alles andere entsprang, geschah nach dem Konzil von Trient. Sie
beteiligte sich aktiv an der nachkonziliaren Reform der Kirche, indem sie mit
großer Selbstlosigkeit ein demütiges Werk der Barmherzigkeit vollbrachte. Sie
gründete eine Kongregation, die die Kontemplation der Geheimnisse Gottes mit
der Sorge für Kranke in deren Häusern sowie mit der Erziehung der Kinder und
der weiblichen Jugend verband. Besonderes Augenmerk widmete sie der Pastoral der
Frauen. Selbstvergessen erfasste die selige Regina mit Weitblick die Nöte des
Volkes und der Kirche. Die Worte „wie Gott will“ wurden zum Motto ihres
Lebens. Brennende Liebe trieb sie dazu, den Willen des himmlischen Vaters nach
dem Beispiel des Gottessohnes zu erfüllen. Sie fürchtete nicht, das Kreuz des
täglichen Dienstes auf sich zu nehmen, und gab damit Zeugnis für den
auferstandenen Christus.
Das Apostolat der Barmherzigkeit erfüllte auch das Leben
des selige Edmund von Bojanowski. Dieser Gutsbesitzer aus Großpolen, von Gott
mit zahlreichen Talenten und einer besonderen Tiefe geistlichen Lebens
ausgestattet, vollbrachte und förderte trotz seiner anfälligen Gesundheit ein
umfassendes Werk zugunsten der Landbevölkerung mit Ausdauer, Umsicht und Weite
des Herzens. Geleitet von einem Unterscheidungsvermögen voller Feingefühl für
die Nöte, gab er Anstoß zu zahlreichen Werken im Bereich von Erziehung,
Caritas, Kultur und Religion zur materiellen und moralischen Unterstützung der
Landfamilie. Als Laie gründete er die in Polen wohlbekannte Kongregation der Mägde
Mariens von der Unbefleckten Empfängnis. Leitprinzip bei jeder seiner
Initiativen war der Wunsch, dass alle der Erlösung teilhaftig werden sollten.
In die Erinnerung der Menschen ging er als „ein herzensguter Mensch“ ein,
der es aus Liebe zu Gott und den Menschen verstand, die verschiedenen Bereiche
wirksam zum Guten zu verbinden. In seiner reichhaltigen Tätigkeit ging er dem,
was das II. Vatikanische Konzil zum Thema des Laienapostolats gesagt hat, um
vieles voraus. Er gab ein herausragendes Beispiel hochherziger und umsichtiger
Arbeit für den Menschen, das Vaterland und die Kirche. Das Werk des selige
Edmund von Bojanowski wird von den Schwestern Mägde Mariens weitergeführt, die
ich von ganzem Herzen grüße und denen ich für den stillen und von Opfergeist
zum Wohl des Menschen und der Kirche erfüllten Dienst danke.
„Munire
digneris me, Domine Jesu Christe […], signo sanctissimae Crucis tuae: ac
concedere digneris mihi […] ut, sicut hanc Crucem, Sanctorum tuorum reliquiis
refertam, ante pectus meum teneo, sic semper mente retineam et memoriam
passionis, et sanctorum victorias Martyrum“.
Dieses Gebet spricht der Bischof beim Anlegen des Brustkreuzes. Heute
mache ich diese Bitte zum Gebet der ganzen Kirche in Polen, die, seit tausend
Jahren das Zeichen des Leidens Christi tragend, immer wieder neues Leben aus dem
Samen des Blutes der Märtyrer empfängt und vom Gedenken des Sieges lebt, den
sie über diese Welt davongetragen haben.
Gerade heute feiern wir den Sieg derer, die in unserem
Jahrhundert für Christus das Leben, das irdische Leben, gegeben haben, um es in
Ewigkeit in seiner Herrlichkeit zu besitzen. Es ist ein besonderer Sieg, denn er
wird geteilt von Vertretern des Klerus und der Laien, jungen und alten Leuten,
Menschen unterschiedlicher Schichten und Stände. Unter ihnen ist Erzbischof
Antoni Julian Nowowiejski, Hirt der Diözese Plock, zu Tode gefoltert in Dzialdo
wo; da ist Bischof Wladyslaw Goral von Lublin, gefoltert mit besonderem Hass,
nur weil er katholischer Bischof war. Da sind Diözesan- und Ordenspriester, die
starben, weil sie ihren Dienst nicht aufgeben wollten, und die, welche im Dienst
an ihren typhuskranken Mitgefangenen starben; da sind wegen Verteidigung von
Juden zu Tode Gefolterte. In der Gruppe der Seligen gibt es Ordensbrüder und
Schwestern, die im Dienst der Liebe und dem Aufopfern ihrer Qualen für den Nächsten
ausgeharrt haben. Unter diesen seligen Märtyrern sind auch Laien. Da sind fünf
Jugendliche, die im Oratorium der Salesianer ausgebildet wurden; da ist ein
eifriger Aktivist der Katholischen Aktion; da sind ein Laienkatechet, der seines
Dienstes wegen zu Tode gefoltert wurde, und eine heroische Frau, die freiwillig
ihr Leben hingab im Tausch für das ihrer Schwiegertochter, die ein Kind
erwartete. Diese seligen Märtyrer werden heute in die Geschichte der Heiligkeit
des Volkes Gottes geschrieben, das seit mehr als tausend Jahren auf polnischer
Erde pilgert.
Wenn wir uns heute über die Seligsprechung der 108 Märtyrer,
Kleriker und Laien, freuen, tun wir es vor allem, weil sie das Zeugnis des
Sieges Christi sind, die Gabe, welche die Hoffnung wiederherstellt. Während wir
diesen feierlichen Akt vollziehen, wird in uns gewissermaßen die Sicherheit neu
bestärkt, dass wir unabhängig von den Umständen in allem den vollen Sieg
davontragen können durch den, der uns geliebt hat.
Die seligen Märtyrer rufen unseren Herzen zu: Glaubt, dass Gott die Liebe ist!
Glaubt es in Gutem und Bösem! Erweckt in euch die Hoffnung! Sie bringe in euch
die Frucht der Treue zu Gott in jeder Prüfung hervor!
Freue dich, Polen, über die neuen Seligen: Regina Protmann,
Edmund von Bojanowski und die 108 Märtyrer. Gott hat es gefallen, „den überfließenden
Reichtum seiner Gnade durch die Güte“ deiner Söhne und Töchter in Christus
Jesus zu zeigen.
Hier haben wir den „Reichtum seiner Gnade“, hier haben wir die Grundlage
unserer unerschütterlichen Hoffnung auf die heilsmächtige Gegenwart Gottes auf
den Wegen des Menschen im dritten Jahrtausend! Ihm sei Ehre von Ewigkeit zu
Ewigkeit. Amen!
Jubiläum der Taufe Polens
(Predigt auf dem Siegesplatz in Warschau, 2.6.1979; O.R.dt. Nr. 23,
8.6.1979, S. 1)
Commune-Texte für heilige Männer und heilige Frauen, Tagesgebet
Stärke mich, Herr, durch das Zeichen deines hochheiligen Kreuzes: gewähre
mir auch, dass ich, wie ich dieses Kreuz, das Reliquien deiner Heiligen
birgt, auf meiner Brust trage, so immer auch das Gedenken des Leidens und
die Siege deiner Blutzeugen im Geist vor mir habe.
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