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Franz
Xaver Finke ...
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ein Sohn des Bergmanns Caspar Finke und seiner Frau Bertha geborene Klees. Er
wurde in Werne am Dienstag, dem 23. April 1907, geboren und am folgenden
Sonntag, dem 28. April, durch Vikar Engelbert Keespe – vermutlich in der
Behelfskapelle auf dem heutigen Aldi-Standort - getauft.

Die
Familie wohnte an der Ecke Teimannstraße - am Heerbusch. Auch die erste heilige
Kommunion ist in den Büchern der früheren Herz-Jesu-Pfarrei zu finden: Mit
knapp zehn Jahren empfing Franz Finke am 15. April 1917 in der neuen Pfarrkirche
das heilige Sakrament.
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Nach
dem Besuch der Volksschule in Werne von 1913 bis 1919 erhielt der aufgeweckte
und förderungswürdige Junge einen Konviktsplatz im Bischöflichen
Knabenseminar in Paderborn, der ihm den Besuch des dortigen Gymnasiums „Theodorianum“
ermöglichte. Hier reifte in ihm der Wunsch, Priester zu werden.
Die
theologischen Studien absolvierte er an der Philosophisch-theologischen Akademie
in Paderborn und an der Universität Innsbruck. Zwei Wochen vor Ostern 1933, am
Samstag, dem 1. April, empfing der fast 26-jährige im Hohen Dom zu Paderborn
die Priesterweihe. Seine Primiz feierte er eine Woche darauf, am Samstag, dem 8.
April, in unserer Pfarrkirche.
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Nach
einer kurzen Kaplanszeit an der Pfarrei St. Lambertus in Castrop-Rauxel wurde er
1934 zum Präfekten am Erzbischöflichen Knabenseminar in Werl berufen. Aufgrund
seiner pädagogischen und geistlichen Fähigkeiten wurde ihm noch in demselben
Jahr die Leitung des Hauses übertragen.
Den
nationalsozialistischen Machthabern waren Kirchliche Erziehungsstätten ein Dorn
im Auge, da sie sich einer direkten ideologischen Einflussnahme entzogen. In
Werl war das Konvikt über Jahre hin ein ständiger Stein des Anstoßes, weil
den Schülern der Eintritt in die Hitlerjugend untersagt war. Alle Anstrengungen
von Seiten der Partei und der staatlichen Schulaufsicht, hier eine Änderung zu
erreichen, scheiterten am Widerstand von Franz Finke. Seine unbeugsame Haltung
trug ihm den Ruf ein, ein Gegner des Nationalsozialismus aus Überzeugung zu
sein. Versuche, den missliebigen Internatsleiter aus dem Amt zu entfernen,
reichen bis in das Jahr 1934 zurück.
Je länger der Konflikt andauerte, umso schärfere Formen nahm er an. Im
November 1937 richtete die Abteilung für das höhere Schulwesen beim Oberpräsidenten
der Provinz Westfalen ein förmliches Ersuchen an das Erzbischöfliche
Generalvikariat in Paderborn, „den Leiter des Konvikts veranlassen zu wollen,
das von ihm erlassene Verbot aufzuheben.“ Das Generalvikariat stellte sich
hinter Franz Finke und billigte dessen Haltung ausdrücklich. Nicht verhindert
werden konnte hingegen, dass einzelne Konviktschüler seit dem Reichsgesetz über
die Hitlerjugend vom 1. Dezember 1936 der Staatsjugend angehörten.
Die
Auseinandersetzung um seine Person erhielt eine neue Wende, als im Jahre 1939
Gerüchte in Umlauf kamen, er habe sich an Schülern sexuell vergangen. Seit der
Welle propagandistisch inszenierter Sittlichkeitsprozesse gegen Geistliche und
Ordensleute in den Jahren 1936/37 waren in Internaten tätige Priester besonders
gefährdet, solchen Anschuldigungen unverschuldet ausgesetzt zu werden. Um
kirchliche Einrichtungen in der Öffentlichkeit zu diskreditieren, war den
Nationalsozialisten gerade das Mittel der Denunziation willkommen.
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Franz
Finke wurde am 17. August 1939 verhaftet. Als Hauptbelastungszeuge trat ein
ehemaliger Internatsschüler auf, der im Jahr zuvor das Haus als Abiturient
verlassen hatte. In dem Prozess, der am 30. April 1940 vor dem Landgericht
Arnsberg stattfand, wurde Franz Finke für schuldig befunden. Der Urteilsbegründung
zufolge legte er „ein umfassendes Geständnis“ ab. Es fällt auf, dass die
Richter seine moralische Integrität nicht grundsätzlich in Zweifel gezogen
haben. Als strafmildernd hebt die Begründung vielmehr hervor, „dass der
Angeklagte seinen Beruf nach der seelsorgerischen Seite ernst genommen hat und
eifrig bemüht gewesen ist, seinen Amtspflichten mit aller Treue
nachzukommen“. Als entlastend wertete das Gericht ferner seine „allgemein
geachtete Stellung“ im Konvikt. Von einem Berufsverbot als Erzieher wurde
abgesehen, weil es den Richtern zweifelhaft erschien, „ob der Angeklagte
seinen Erzieherberuf als solchen missbraucht hat.“ Das Gericht verurteilte ihn
zu zwei Jahren Gefängnis und drei Jahren Ehrverlust. Die Untersuchungshaft
wurde mit sechs Monaten auf das Strafmaß angerechnet. Ein Revisionsbegehren der
Staatsanwaltschaft blieb ohne Erfolg.
Im
Gefängnis erhielt Franz Finke die Nachricht, dass sein sechs Jahre jüngerer
Bruder Heinrich am Christkönigsfest 1940 in Rom die Priesterweihe empfangen
hatte. Heinrich Finke, Doktor der Theologie, kam 30-jährig als Soldat im
Russlandfeldzug ums Leben. Seit Januar 1943 gilt er als vermisst. Seine Familie
erlangte nie Gewissheit über sein Schicksal.
Noch während
der Haftzeit leitete die kirchliche Behörde eine Voruntersuchung zur Klärung
des Sachverhalts um Franz Finke ein. Zu einer Durchführung des Verfahrens kam
es nicht mehr, da Franz Finke aufgrund eines Himmler-Erlasses aus dem Jahre 1940
sofort nach Verbüßung der Haftstrafe in das KZ Sachsenhausen überführt
wurde. Als homosexueller Priester gebrandmarkt, trug er den rosa Winkel auf der
Häftlingskleidung und wurde der Strafkompanie zugeteilt.
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Vom ersten Tag an war er menschenverachtenden Torturen ausgesetzt. Der Sadismus
seiner Bewacher tobte sich an ihm geradezu aus. Im so genannten
„Schuhkommando“, dem Franz Finke angehörte, mussten die Häftlinge in neuen
Militärstiefeln Tagesmärsche von 40 km zurücklegen. Ständig misshandelt und
den Unbilden des Winters ausgesetzt, zog er sich eine Lungenentzündung zu. Dank
der Unterstützung eines tschechischen Mitbruders, der sich des Gepeinigten
annahm, kam Franz Finke auf die Krankenstation.
Kaum
genesen und körperlich noch nicht voll bei Kräften, kehrte er in die
Strafabteilung wieder zurück und wurde einem Arbeitskommando in der Ziegelei
des Lagers zugewiesen. Erneut grundlos zusammengeschlagen, erlag Franz Finke am
3. Juli 1942 im Alter von 35 Jahren seinen schweren Verletzungen. Die
Lagerkommandantur gab als Todesursache „Lungenentzündung“ an. Sein Leichnam
wurde eingeäschert, die Urne wurde den Angehörigen auf dem Postweg zugestellt
und in der Heimat beigesetzt.
Die
Familie schenkte der Herz-Jesu Gemeinde das Holzkreuz, das er kurz vor seiner
Festnahme in Auftrag gegeben hatte und das seither in einer kleinen Gedenkkapelle an Franz Finke erinnert.
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Nach dem
Zeugnis des tschechischen Mitbruders, das der spätere Pfarrer von St.
Bonifatius in Bochum Langendreer, Gerhard Maashänser, schriftlich festgehalten
hat, war Franz Finke „ein tief religiöser und innerlicher Mensch, der sein
schweres Kreuz vorbildlich trug, niemals geklagt oder geschimpft oder auch nur
gemurrt hat.“ Für den tschechischen Mitbruder, aber sicher auch für Pfarrer
Maashänser, der selbst auch im KZ interniert war, es aber überlebt hat, ist Franz
Finke ein Heiliger, ein Märtyrer. Es gibt Anhaltspunkte, die den Schluss
erlauben, dass Franz Finke das Opfer einer Intrige geworden ist. Eigentlich galt
der Stoß dem Internat, dessen Ruf in der Öffentlichkeit nachhaltig geschädigt
werden sollte. Als Konviktpräses war er der verantwortliche Geistliche, der zur
Unperson erklärt werden musste. Deshalb gab es für ihn auch kein Entrinnen. |
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Seit Anfang 2005 erinnert in der St.-Clemens-Kirche in Dortmund Hombruch ein
Kirchenfenster an Franz Finke und 19 andere Märtyrer des Nazi-Regimes, unter
anderem an den im KZ Dachau unter ähnlichen Bedingungen zu Tode gequälten
Kaplan von St. Clemens, Wilhelm Max Oberhaus.KZ Oranienburg & Sachsenhausen.
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Heute: Museum des Todesmarsches
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